Entlastungspaket beschlossen!
- Siegfried Allert

- vor 20 Stunden
- 3 Min. Lesezeit

Der Deutscher Bundestag hat am 24.04.2026 eine befristete Senkung der Energiesteuer (z. B. auf Kraftstoffe wie Benzin und Diesel) beschlossen. Anschließend hat auch der Bundesrat zugestimmt, sodass die Maßnahme in Kraft treten konnte.
Was bedeutet das konkret?
Die Energiesteuer ist ein Bestandteil des Kraftstoffpreises. Wird sie gesenkt, sollen die Preise an der Zapfsäule für Verbraucher und Unternehmen sinken – zumindest theoretisch.
Wichtiger Punkt:
Ob und in welchem Umfang die Senkung tatsächlich bei den Endkunden ankommt, hängt vom Markt ab (Ölpreise, Nachfrage, Wettbewerb etc.).
Um wie viel wird die Steuer gesenkt und für welchen Zeitraum?
Die Energiesteuer auf Diesel und Benzin wird um 14,04 Cent pro Liter reduziert. Da auf diesen gesenkten Steueranteil zusätzlich keine Mehrwertsteuer mehr erhoben wird, ergibt sich insgesamt eine Entlastung von rund 16,7 Cent pro Liter. Die Maßnahme gilt ab dem 1. Mai und ist bis Ende Juni befristet.
Wie viel bringt der Tankrabatt dem Durchschnittsfahrer?
Auf der Basis statistischer Durchschnittswerte wie gefahrene Kilometer sowie Verbrauch dürfte der Durchschnittsfahrer in den kommenden 2 Monaten zwischen 22,00 € und 33,00 € einsparen.
Beispiel:
Wir fahren gerne von Lübbecke aus, dem Firmensitz von AVB, an die Nordsee, Neuharlingersiel; das sind genau 200 Kilometer für einen Weg. Davon ausgehend, dass wir mit unserem Auto einen Durchschnittsverbrauch von ca. 6 Litern auf 100 Kilometer haben, benötigen wir als 12 Liter bis zur Ankunft am Meer. Daraus ergibt sich eine Ersparnis von 2,04 € für den Hinweg; Hinweg und Rückweg zusammen, Moment, ich suche den Taschenrechner, 4,08 €. Das reicht noch nicht einmal für ein Fischbrötchen. Und was wir noch nicht wissen, wieviel teurer ist jetzt eigentlich die Überfahrt mit der Fähre nach Spiekeroog geworden? Um die dort entstandenen Mehrkosten auszugleichen werden die ersparten 4,08 € wohl nicht ausreichen.
Die Kritik am sogenannten „Tankrabatt“ fiel dann auch ziemlich deutlich aus – aus verschiedenen Richtungen:
1. Wirkung bei Verbrauchern fraglich
Viele bezweifelten, dass die Steuersenkung vollständig an Autofahrer weitergegeben wird. Mineralölkonzerne könnten einen Teil der Entlastung einbehalten, sodass der Preis an der Zapfsäule weniger stark sinkt als erwartet.
2. Hohe Kosten für den Staat
Die Maßnahme kostet mehrere Milliarden Euro an Steuereinnahmen. Kritiker sehen darin eine wenig zielgenaue Subvention, weil auch Haushalte mit hohem Einkommen profitieren.
3. Fehlende soziale Treffsicherheit
Der Rabatt gilt für alle gleichermaßen – unabhängig vom Einkommen. Menschen ohne Auto oder mit geringem Verbrauch profitieren kaum, obwohl sie oft stärker unter steigenden Preisen leiden.
4. Klimapolitisch umstritten
Der Tankrabatt setzt Anreize, weiter fossile Kraftstoffe zu nutzen, statt Energie zu sparen oder auf klimafreundliche Alternativen umzusteigen. Das steht im Widerspruch zu langfristigen Klimazielen.
5. Kurzfristige statt nachhaltige Lösung
Die Maßnahme war zeitlich begrenzt und bekämpft eher Symptome (hohe Preise) als Ursachen (z. B. Abhängigkeit von fossilen Energien, globale Marktpreise).
6. Marktstruktur im Fokus
Es wurde auch Kritik an der Marktmacht großer Anbieter laut. Einige forderten strengere Kontrollen oder Eingriffe, um sicherzustellen, dass Preisvorteile tatsächlich weitergegeben werden.
Aus Sicht von Transportunternehmen wird der Tankrabatt deutlich differenzierter bewertet – viele fanden ihn zwar hilfreich, aber nicht ausreichend oder sogar problematisch:
1. Entlastung ja – aber zu gering
Für Speditionen mit hohem Dieselverbrauch bringt die Senkung zwar spürbare Einsparungen. Gleichzeitig stehen diese aber oft in keinem Verhältnis zu den zuvor stark gestiegenen Kraftstoffpreisen. Unterm Strich blieb die Belastung weiterhin hoch.
2. Kaum Planungssicherheit
Die Maßnahme wird nur auf zwei Monate begrenzt. Für Unternehmen, die langfristig kalkulieren müssen (Verträge, Frachtraten, Tourenplanung), ist so eine kurzfristige Entlastung kaum hilfreich.
3. Weitergabe durch Auftraggeber schwierig
Viele Transportunternehmen arbeiten mit festen Preisen oder verzögerten Dieselzuschlägen. Das bedeutet: Steigende Kosten tragen sie sofort – sinkende Preise kommen oft nicht direkt bei ihnen an.
4. Marktmechanismen verwässern den Effekt
Ähnlich wie bei Privatkunden besteht die Sorge, dass ein Teil der Entlastung nicht vollständig weitergegeben wird. Dadurch verpufft ein Teil der Wirkung für Unternehmen.
5. Keine strukturelle Lösung
Der Tankrabatt ändert nichts an den grundlegenden Problemen der Branche: hoher Wettbewerbsdruck, niedrige Margen, Abhängigkeit von Diesel und volatile Preise.
6. Fehlanreize für notwendige Transformation
Langfristig müssen viele Betriebe in alternative Antriebe investieren. Eine künstliche Verbilligung von Diesel kann diese Entwicklung verzögern.
Fazit aus der Branche:
Kurzfristig besser als nichts – aber weder ausreichend noch nachhaltig. Viele Unternehmen hätten sich eher dauerhafte, planbare Instrumente gewünscht (z. B. stabilere Dieselzuschläge, steuerliche Entlastungen oder gezielte Förderprogramme).
Übrigens:
Friedrich Merz war im Jahr 2022 Oppositionsführer im Deutscher Bundestag und tat Vorschläge wie Tankrabatt oder Entlastungsprämien im Kontext der Corona-Maßnahmen mit einem knappen Urteil ab: „Flickwerk“. Rückblickend lässt sich sagen, dass diese Einschätzung durchaus zutreffend war. Und nun, Herr Merz?




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