Prüfplätze für Fachkundeprüfungen sind teilweise erst in einigen Monaten buchbar. Warum?
- Siegfried Allert

- vor 24 Stunden
- 3 Min. Lesezeit

Bei vielen IHKs entstehen Engpässe, weil eine hohe oder schwankende Nachfrage auf ein regional begrenztes Prüfungsangebot trifft.
Das Problem liegt meist nicht nur an fehlenden Räumen, sondern vor allem an der gesamten Prüfungskette – von der schriftlichen Prüfung über die Korrektur bis zur mündlichen Einzelprüfung.
Die wichtigsten Ursachen
1. Mehr Interessenten als Prüfungsplätze
Dass tatsächlich ein Kapazitätsproblem besteht, zeigen zahlreiche aktuelle Beispiele:
Bei der IHK Köln sind mehrere Termine der Taxi-/Mietwagenprüfung 2026 ausgebucht.
Die IHK Hanau führt für ihre Termine nur noch Wartelisten.
Die IHK Aachen weist darauf hin, dass Omnibusprüfungen erfahrungsgemäß frühzeitig ausgebucht sind.
Auch die Bergische IHK meldet mehrere ausgebuchte Termine.
2. Begrenzte Zahl geeigneter Prüfer
Der Prüfungsausschuss muss aus einem Vorsitzenden und mindestens einem Beisitzer bestehen. Ein Beisitzer soll beruflich in der jeweiligen Sparte tätig sein – also im Güterkraft-, Omnibus- oder Taxi-/Mietwagenverkehr. Die IHK kann deshalb nicht beliebig Mitarbeiter als Prüfer einsetzen.
Viele Prüfer sind Branchenpraktiker und übernehmen diese Aufgabe ehrenamtlich neben ihrer eigentlichen Tätigkeit. Besonders mündliche Prüfungen lassen sich nur in dem Umfang anbieten, in dem geeignete Ausschussmitglieder gleichzeitig verfügbar sind.
3. Hoher Aufwand für die mündlichen Prüfungen
Die schriftliche Prüfung kann mit einer größeren Teilnehmergruppe durchgeführt werden. Wer die erforderlichen schriftlichen Mindestpunkte erreicht, muss aber gegebenenfalls einzeln mündlich geprüft werden.
Bei einer Prüfungsdauer von bis zu 30 Minuten können zwei Prüfer an einem Arbeitstag nur eine begrenzte Zahl von Kandidaten prüfen. Hinzu kommen Beratung, Bewertung, Dokumentation und Pausen. Die IHK Köln weist ausdrücklich darauf hin, dass sich die mündlichen Prüfungen wegen der hohen Teilnehmerzahl auf weitere Tage verlagern können.
4. Offene Fragen und Fallstudien müssen bewertet werden
Die Fachkundeprüfung besteht nicht nur aus automatisch auswertbaren Multiple-Choice-Aufgaben. Sie enthält offene Fragen, Kalkulationsaufgaben und Fallstudien. Diese Antworten müssen fachlich beurteilt werden. Tablets oder Computer können die Organisation erleichtern, ersetzen aber nicht die Bewertung durch fachkundige Prüfer.
5. Einige Prüfungsarten werden regional nur selten nachgefragt
Die Nachfrage ist sehr unterschiedlich verteilt:
Güterkraftverkehr wird meist häufiger geprüft.
Taxi-/Mietwagenverkehr kann in Ballungsräumen stark nachgefragt sein.
Omnibusprüfungen haben häufig weniger Teilnehmer, benötigen aber trotzdem einen fachlich passenden Ausschuss.
Für sehr kleine Gruppen ist die Organisation eines eigenen Termins vergleichsweise aufwendig. Nach GBZugV und PBZugV muss bei Bedarf grundsätzlich mindestens einmal im Vierteljahr ein Termin festgesetzt werden. Bei weniger als drei Bewerbern oder drohenden wirtschaftlichen Nachteilen kann jedoch eine Verweisung an eine andere IHK erfolgen.
6. Das Wohnort- beziehungsweise Zuständigkeitsprinzip begrenzt den Wechsel
Prüflinge können sich meist nicht ohne Weiteres bei jeder beliebigen IHK anmelden. Viele IHKs berücksichtigen vorrangig Personen aus dem eigenen Bezirk. Die IHK Koblenz erklärt beispielsweise ausdrücklich, dass sie bei Taxi-/Mietwagenprüfungen in erster Linie Bewerber aus dem eigenen Kammerbezirk annimmt.
Eine andere IHK kann zwar mit Zustimmung beziehungsweise Freistellung zuständig werden. Sie muss aber ebenfalls über einen freien Platz verfügen.
7. Wiederholungsprüfungen erhöhen die Nachfrage zusätzlich
Wer die erforderlichen Mindestpunkte nicht erreicht, muss die Prüfung erneut vollständig ablegen. Dadurch konkurrieren Erstteilnehmer und Wiederholer um dieselben Termine. Wie groß dieser Effekt tatsächlich ist, veröffentlichen die meisten IHKs allerdings nicht.
Bewertung
Kurzfristige Engpässe sind nachvollziehbar. Mehrmonatige Wartezeiten und dauerhaft ausgebuchte Termine sind für angehende Unternehmer jedoch problematisch.
Ohne Fachkundenachweis kann eine Genehmigung häufig nicht erteilt, ein Betrieb nicht eröffnet oder eine Nachfolge nicht umgesetzt werden.
Mögliche Verbesserungen wären:
zusätzliche Prüfungstermine bei erkennbar hoher Nachfrage,
Gewinnung und angemessene Entschädigung weiterer Fachprüfer,
gemeinsame Prüfungsausschüsse benachbarter IHKs,
transparentere Wartelisten und Nachrückverfahren,
frühere Veröffentlichung der Termine,
automatische Weitervermittlung an IHKs mit freien Kapazitäten,
bessere Bedarfsermittlung in Zusammenarbeit mit Verbänden und Seminaranbietern.
Die Digitalisierung allein wird das Problem nicht lösen.
Der eigentliche Engpass liegt häufig bei den Prüfern, der Korrektur und den mündlichen Prüfungen – nicht beim Tablet oder beim Prüfungsraum.
Diese Schlussfolgerung ist eine naheliegende organisatorische Einordnung aus Prüfungsaufbau und Ausschussvorgaben; eine bundesweite Ursachenstatistik der IHKs liegt öffentlich nicht vor.
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