Täuscht der Eindruck das die Politik eigentlich deutlich zu wenig für den Transportsektor tut?
- Siegfried Allert

- vor 4 Tagen
- 2 Min. Lesezeit

Der Eindruck ist in großen Teilen der Branche tatsächlich weit verbreitet – besonders im Straßengüterverkehr, Taxi-/Mietwagengewerbe und teilweise auch im Bussektor.
Viele Unternehmer haben das Gefühl, dass die Politik die Bedeutung des Transportsektors zwar betont, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aber gleichzeitig immer schwieriger werden.
Dabei gibt es mehrere Gründe, warum dieser Eindruck entstanden ist:
stark gestiegene Kosten (Löhne, Energie, Maut, Versicherungen, Werkstatt, Fahrzeuge)
hohe Bürokratiebelastung
Fachkräftemangel
zunehmende Regulierungen
schwache Margen trotz hoher Arbeitsbelastung
harter Preiswettbewerb
gleichzeitig hoher Investitionsdruck (Digitalisierung, E-Mobilität, Klimavorgaben)
Besonders kritisch sehen viele Unternehmen:
Den Straßengüterverkehr
Hier fühlen sich viele Betriebe wirtschaftlich „zwischen allen Fronten“:
steigende CO₂-Maut
hohe Dieselpreise
enorme Fahrzeugkosten
Wettbewerbsdruck durch osteuropäische Anbieter
niedrige Frachtraten in schwachen Konjunkturphasen
Viele Unternehmer sagen sinngemäß:
„Ohne Transport läuft die Wirtschaft nicht – aber politisch behandelt wird die Branche oft wie ein Problemsektor.“
Taxi- und Mietwagengewerbe
Im Taxi-/Mietwagenbereich kommt zusätzlich das Thema Plattformökonomie hinzu, insbesondere durch Uber.
Viele traditionelle Taxiunternehmen kritisieren:
ungleiche Wettbewerbsbedingungen
schwierige Kontrolle illegaler oder problematischer Praktiken
Preisdruck durch Plattformen
fehlende konsequente Durchsetzung bestehender Regeln
Auf der anderen Seite argumentieren Plattformanbieter wiederum mit:
Digitalisierung
moderner Mobilität
flexibleren Angeboten
besseren Verfügbarkeiten
Die Politik versucht oft einen Mittelweg, wodurch beide Seiten häufig unzufrieden sind.
Omnibusverkehr
Im Busbereich ist die Lage etwas differenzierter:
Linienverkehr wird teilweise öffentlich gestützt
Reisebusunternehmen litten stark unter den Krisenjahren
gleichzeitig steigen Anforderungen an Barrierefreiheit, Umweltstandards und Personal
Viele mittelständische Busunternehmen empfinden ebenfalls, dass Förderprogramme oft nicht ausreichen oder zu bürokratisch sind.
Warum die Politik dennoch sagt, sie tue viel
Die Politik verweist dagegen auf:
Infrastrukturinvestitionen
Förderprogramme für alternative Antriebe
Mautfinanzierung für Straßen
Ausbildungs- und Fachkräfteprogramme
Digitalisierungsvorhaben
EU-weite Harmonisierung
Allerdings kommt bei vielen Unternehmen davon im Alltag wenig unmittelbar an – besonders bei kleinen und mittleren Betrieben.
Ein strukturelles Problem
Der Transportsektor hat ein besonderes Problem:
Er ist extrem wichtig für die Gesamtwirtschaft, aber gleichzeitig sehr preisgetrieben. Viele Auftraggeber erwarten niedrige Preise und hohe Flexibilität. Dadurch bleibt wenig Gewinn übrig, um Krisen, Investitionen oder politische Zusatzlasten aufzufangen.
Deshalb entsteht schnell der Eindruck:„Die Anforderungen steigen ständig – die wirtschaftliche Entlastung aber nicht.“
Objektiv betrachtet
Der Eindruck ist also nicht einfach „Einbildung“. Viele wirtschaftliche Kennzahlen sprechen tatsächlich für erheblichen Druck:
steigende Insolvenzen
sinkende Margen
hohe Fremdkapitalbelastung
Investitionsstau
Nachfolgeprobleme im Mittelstand
Gleichzeitig muss man sagen:
Die Politik steht auch unter Druck, Klimaziele, Verbraucherpreise, Arbeitnehmerrechte und Wettbewerb miteinander zu vereinbaren. Genau dort entstehen die Konflikte mit der Branche.
Der Transportsektor gehört heute zu den wirtschaftlich wichtigsten, aber auch politisch am stärksten regulierten Branchen Deutschlands.
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