Warum hat die Fahrzeugkostenrechnung für ein Transportunternehmen eine so große Bedeutung?
- Siegfried Allert

- vor 1 Tag
- 3 Min. Lesezeit

Die Fahrzeugkostenrechnung ist für ein Transportunternehmen von zentraler Bedeutung, weil sie zeigt, was ein Lkw, Transporter oder Bus tatsächlich pro Kilometer bzw. pro Einsatz kostet.
Ohne diese Kenntnis ist eine wirtschaftliche Kalkulation kaum möglich.
Die wichtigsten Gründe
1. Richtige Preisgestaltung
Der wichtigste Punkt: Der Unternehmer muss wissen, welchen Mindestpreis er für einen Transport verlangen muss.
Beispiel:
Fahrzeugkosten: 0,85 €/km
weitere Kosten wie Verwaltung, Versicherung, Disposition etc.: 0,25 €/km
Gewinnzuschlag: 0,20 €/km
→ Erforderlicher Verkaufspreis: 1,30 €/km
Wer seine tatsächlichen Kosten nicht kennt, kann leicht Aufträge annehmen, bei denen zwar Umsatz entsteht, aber kein Gewinn.
2. Ermittlung der Selbstkosten
Die Fahrzeugkostenrechnung berücksichtigt beispielsweise:
Kraftstoff bzw. Energie
AdBlue
Maut
Reifen
Wartung und Reparaturen
Kfz-Steuer
Versicherungen
Abschreibung bzw. Wertverlust
Finanzierungskosten bzw. Leasing
Fahrzeugwäsche und Pflege
eventuell weitere fahrzeugbezogene Kosten
Dadurch lässt sich feststellen, was der einzelne Lkw den Betrieb tatsächlich kostet.
3. Vergleich verschiedener Fahrzeuge
Die Rechnung ermöglicht auch einen Vergleich:
Ist der neue Lkw tatsächlich wirtschaftlicher als der alte?
Ein Fahrzeug kann beispielsweise einen geringeren Dieselverbrauch haben, aber höhere Anschaffungs-, Leasing- oder Versicherungskosten. Erst die Gesamtkostenrechnung zeigt, welches Fahrzeug wirtschaftlich günstiger ist.
4. Kontrolle der Wirtschaftlichkeit einzelner Aufträge
Besonders wichtig ist die Nachkalkulation.
Man kann beispielsweise feststellen:
„Dieser Auftrag hat 1.200 € Umsatz gebracht, aber das Fahrzeug hat dafür 950 € Kosten verursacht.“
Dann bleiben nur 250 € zur Deckung der übrigen Unternehmenskosten und für den Gewinn.
So erkennt der Unternehmer, welche Aufträge tatsächlich Geld verdienen und welche nicht.
5. Ermittlung des Break-even-Punktes
Die Fahrzeugkostenrechnung hilft bei der Frage:
Wie viele Kilometer bzw. Aufträge muss mein Fahrzeug fahren, damit es sich wirtschaftlich trägt?
Das ist insbesondere bei Finanzierung oder Leasing eines neuen Fahrzeugs entscheidend.
Besonders wichtig: Kosten pro Kilometer
Für ein Transportunternehmen ist häufig die Kennzahl
„Kosten je Kilometer“
von entscheidender Bedeutung.
Dabei sollte man nicht nur den Dieselverbrauch betrachten. Ein Lkw mit 28 Litern Verbrauch kann unter Umständen wirtschaftlicher sein als ein Fahrzeug mit 24 Litern Verbrauch, wenn beispielsweise Anschaffung, Reparaturen, Reifen, Finanzierung und Wertverlust deutlich günstiger sind.
Kurz gesagt
Die Fahrzeugkostenrechnung ist das wirtschaftliche Fundament der Transportkalkulation.
Sie beantwortet drei entscheidende Fragen:
Was kostet mich mein Fahrzeug? → Was kostet mich ein Kilometer? → Welchen Preis muss ich für einen Auftrag verlangen, damit ich Geld verdiene?
Gerade in Zeiten hoher Maut-, Personal-, Energie- und Fahrzeugkosten kann eine ungenau oder gar nicht durchgeführte Fahrzeugkostenrechnung schnell zu erheblichen Verlusten führen.
Viele Transportunternehmer sind reine Umsatzden
ker

Ja – das ist ein zentrales Problem im Transportgewerbe. Viele Unternehmer betrachten vor allem den Umsatz und übersehen dabei, dass Umsatz nicht gleich Gewinn ist.
Ein Transportunternehmen kann beispielsweise 1 Mio. € Umsatz machen und trotzdem wirtschaftlich schlecht dastehen, wenn die Kosten zu hoch sind.
Entscheidend sind vielmehr:
Umsatz
Fahrzeugkosten je Kilometer
Personalkosten
Maut und Kraftstoffkosten
Verwaltungskosten
Auslastung und Leerfahrten
Deckungsbeitrag je Auftrag
Gewinn bzw. Rendite
Ein typischer Denkfehler lautet:
„Wir haben mehr Aufträge und mehr Umsatz als im letzten Jahr – also läuft das Unternehmen besser.“
Nicht unbedingt. Wenn beispielsweise der Umsatz um 10 % steigt, die Kosten aber um 15 %, ist das Unternehmen trotz Umsatzwachstum unprofitabler geworden.
Gerade deshalb ist die Fahrzeugkostenrechnung so wichtig: Sie zwingt den Unternehmer, nicht nur auf den Umsatz, sondern auf die tatsächliche Wirtschaftlichkeit jedes Fahrzeugs und jedes Auftrags zu schauen.
Der bessere Unternehmer denkt daher nicht: „Wie viel Umsatz können wir machen?“
Sondern: „Wie viel Gewinn bleibt von jedem gefahrenen Kilometer und jedem Auftrag übrig?“
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