Wie wirken sich die derzeitigen Preiserhöhungen beim Kraftstoff auf das Taxi- und Mietwagengewerbe aus?

Die derzeit stark steigenden Kraftstoffpreise treffen das Taxi- und Mietwagengewerbe besonders hart. Fahrzeuge legen jährlich hohe Kilometerleistungen zurück, während sich die höheren Betriebskosten häufig nicht sofort an die Kunden weitergeben lassen.
Aktuell kostet ein Liter Super E10 im bundesweiten Durchschnitt rund 2,30 Euro, Diesel etwa 2,42 Euro. Seit Ende August haben sich Benzin um ungefähr 52 Cent und Diesel sogar um rund 68 Cent je Liter verteuert. Als wesentliche Ursachen gelten die angespannte Lage auf den internationalen Ölmärkten sowie höhere Transport- und Raffineriekosten.
Beispielrechnung für ein Dieselfahrzeug
Bei einer Jahresfahrleistung von 60.000 Kilometern und einem Verbrauch von acht Litern je 100 Kilometer werden jährlich etwa 4.800 Liter Diesel benötigt.
Kostenposition | Betrag |
Dieselverbrauch pro Jahr | 4.800 Liter |
Mehrpreis von 0,68 € je Liter | 3.264 € brutto |
Mehrbelastung nach Vorsteuerabzug | ca. 2.743 € netto |
Aktuelle jährliche Dieselkosten bei 2,42 €/Liter | ca. 11.616 € brutto |
Bei zehn Fahrzeugen entstehen somit allein durch die Preissteigerung zusätzliche Nettokosten von rund 27.400 Euro pro Jahr. Leerfahrten, Rückkehrpflichten und längere Anfahrten verschärfen die Belastung zusätzlich.
Taxen können ihre Preise nicht kurzfristig erhöhen
Taxiunternehmen unterliegen grundsätzlich den behördlich festgelegten Beförderungsentgelten. Sie können deshalb nicht eigenständig einen Kraftstoffzuschlag verlangen oder kurzfristig höhere Kilometerpreise berechnen.
Eine Anpassung der Taxitarife muss durch die zuständige Behörde erfolgen. Dafür sind regelmäßig nachvollziehbare Kostenkalkulationen und ein entsprechendes Verwaltungsverfahren erforderlich. Bis ein neuer Tarif in Kraft tritt, trägt der Taxiunternehmer die Mehrkosten zunächst selbst.
Gerade bei knapp kalkulierten Tarifen kann dies dazu führen, dass einzelne Fahrten kaum noch kostendeckend sind.
Mietwagen haben mehr Spielraum – aber hohen Wettbewerbsdruck
Mietwagenunternehmen können ihre Preise grundsätzlich freier vereinbaren. Sie könnten daher:
Kilometer- oder Stundenpreise erhöhen,
einen zeitlich begrenzten Kraftstoffzuschlag einführen,
Preisgleitklauseln in längerfristige Verträge aufnehmen,
besonders lange Anfahrts- und Rückfahrstrecken neu kalkulieren.
In der Praxis wird dieser Spielraum jedoch durch den starken Wettbewerb begrenzt. Plattformanbieter, Großkunden und Auftraggeber vergleichen die Preise sehr genau. Wer seine Entgelte deutlich erhöht, riskiert den Verlust von Aufträgen.
Zudem kann die Genehmigungsbehörde nach § 51a PBefG für Mietwagen tarifbezogene Regelungen und insbesondere Mindestbeförderungsentgelte festlegen.
Besonders betroffen sind Kranken- und Schülerfahrten
Problematisch sind längerfristig vereinbarte Entgelte, beispielsweise für:
Krankenfahrten,
Schülerbeförderungen,
Behindertenfahrdienste,
regelmäßige Firmenfahrten,
Aufträge von Reiseveranstaltern und Hotels.
Enthalten die Verträge keine Preisgleitklausel, können höhere Kraftstoffkosten häufig erst bei der nächsten Vertragsverhandlung berücksichtigt werden. Bis dahin sinkt die Marge – oder die Fahrt verursacht sogar einen Verlust.
Weitere Folgen für die Branche
Die Kraftstoffverteuerung kann zu mehreren Entwicklungen führen:
sinkende Gewinne und angespannte Liquidität,
spätere Fahrzeuganschaffungen,
stärkere Überprüfung unrentabler Schichten,
Reduzierung von Nacht- und Randzeiten,
Aufgabe wirtschaftlich schwacher Betriebe,
steigende Beförderungspreise,
zunehmender Umstieg auf Hybrid- und Elektrofahrzeuge.
Allerdings ist ein kurzfristiger Wechsel auf Elektrofahrzeuge nicht für jeden Betrieb möglich. Anschaffungskosten, Reichweite, Ladezeiten und fehlende Ladeinfrastruktur müssen berücksichtigt werden.
Fazit
Die aktuellen Kraftstoffpreise sind für das Taxi- und Mietwagengewerbe eine erhebliche wirtschaftliche Belastung. Taxiunternehmen trifft es besonders, weil sie ihre behördlich festgelegten Tarife nicht kurzfristig anpassen können. Mietwagenunternehmen haben zwar mehr Freiheit bei der Preisgestaltung, stehen aber unter starkem Wettbewerbs- und Vertragsdruck.
Bleiben die Preise längere Zeit auf diesem Niveau, werden Tarifanpassungen, Kraftstoffzuschläge und Neuverhandlungen bestehender Verträge kaum zu vermeiden sein. Ohne eine angemessene Weitergabe der Mehrkosten drohen weitere Betriebseinschränkungen und Unternehmensaufgaben.
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