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Frage an einen Unternehmer: Wie wirkt sich die Erhöhung der Kraftstoffpreise in der täglichen Praxis aus?

Aktualisiert: vor 21 Stunden



Diese Frage haben wir von AVB einem ehemaligem Mitarbeiter gestellt der jetzt als Geschäftsführer eines Transportunternehmens (KMU) tätig ist.


Die Antwort lautete:

Die Auftraggeber zahlen einen Dieselaufschlag!


Frage von AVB:

Ist der gezahlte Aufschlag ausreichend?


Die Antwort lautete:

Ja. Es wird die Tageskilometerleistung dokumentiert. Anhand der Routenplanung die der Auftraggeber vorgibt. Ein D-Verbrauch von 12l/100km wird unterstellt und ein Preis von 1,65 brutto als Grundlage genommen. Inwieweit nun auf die doch drastische Kostensteigerung bei den Kraftstoffpreisen reagiert wird, man wird sehen.


Frage von AVB:

Über welche Fahrzeuge, Fahrzeuggröße sprechen wir?


Die Antwort lautete:

3,5 Tonner; Langer Sprinter.


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Und ab dieser Stelle beschäftigen wir von AVB uns mit der oben geschilderten Situation mal etwas ausführlicher:


Unser Ex-Kollege beschreibt schon ziemlich genau die betriebswirtschaftliche Realität im Paketdienst mit Kleintransportern: feste Routen, dokumentierte Tageskilometer und ein sehr begrenzter Handlungsspielraum. Genau daraus ergeben sich typische Reaktionen – und die lassen sich gut mit einer Beispielrechnung zeigen.


1. Ausgangslage (deine Annahmen)


  • Verbrauch: 12 l / 100 km

  • Dieselpreis: 1,65 €/l (brutto)

  • → Kosten pro km:


12 l/100km × 1,65€ = 19,80 €/100km

also: =0,198 € pro km


2. Beispiel: typische Tagesleistung


Nehmen wir realistisch im Paketdienst:

  • 200 km pro Tag


Kraftstoffkosten:

200 km × 0,198€ = 39,60 €/Tag


3. Effekt einer Preissteigerung


Wenn Diesel z. B. auf 2,00 €/l steigt:

(Das die aktuellen Dieselpreise weit über den hier verprobten 2,00 € liegen dürfte ja allgemein bekannt sein)


12 × 2,00 € = 24 €/100km = 0,24 €/km


Neue Tageskosten:


200 km × 0,24 € = 48 €/Tag


Mehrkosten pro Tag: ~8,40 €

Mehrkosten pro Monat (22 Tage) : ~185 €


4. Problem: feste Touren + feste Preise


Jetzt kommt der entscheidende Punkt:

  • Kilometer sind vorgegeben (Routenplanung des Auftraggebers)

  • Einnahmen oft:

    • pro Paket oder

    • pauschal pro Tour


Der Unternehmer kann nicht einfach mehr fahren oder Preise ändern.


5. Typische Reaktionen in genau diesem Setup


1. Margen schrumpfen (häufigste Realität)

  • Unternehmer trägt die Mehrkosten selbst

  • Gewinn sinkt direkt


Beispiel:


  • vorher Gewinn: 120 €/Tag

  • Mehrkosten: –8,40 €


    → neuer Gewinn: ~111,60 €


Klingt klein, ist aber bei niedrigen Margen kritisch.


2. Druck auf Fahrer & Betrieb


Da die Route fix ist, wird intern optimiert:


  • weniger Standzeiten

  • schnelleres Be- und Entladen

  • mehr Stopps pro Stunde


Ziel: gleiche Strecke → mehr Umsatz pro km


3. Subunternehmer reduzieren Kosten woanders


Weil Kraftstoff nicht beeinflussbar ist:


  • geringere Löhne / mehr Eigenleistung (sehr kritisch)

  • Wartung hinauszögern

  • Fahrzeuge länger nutzen


langfristig riskant (Ausfälle, Qualität sinkt)


4. Verhandlungen mit Auftraggeber


Wenn möglich:


  • Forderung nach Dieselzuschlag

  • Anpassung der Tourvergütung


Problem:


  • große Auftraggeber (z. B. Paketdienste) haben starke Verhandlungsmacht

  • kleine Unternehmer oft abhängig (Fahrzeuge geleast zum Beispiel)


5. Selektion von Touren (begrenzt möglich)


  • unrentable Gebiete werden gemieden

  • Fokus auf:

    • dichte Zustellgebiete (weniger km pro Paket)


aber: oft kaum Wahlfreiheit


6. Extremfall: Ausstieg oder Wechsel


Wenn es sich nicht mehr rechnet:


  • Aufgabe der Tour

  • Wechsel zu anderem Auftraggeber

  • oder ganz aus dem Markt raus


6. Wichtige Kennzahl: „Kosten pro km“


Mit den hier verwendeten Zahlen:

  • bei 1,65 € → 0,198 €/km

  • bei 2,00 € → 0,24 €/km


Differenz: +0,042 €/km


Bei 200 km/Tag:

+8,40 €/Tagexakt der Hebel, der den Gewinn auffrisst


Fazit (praxisnah)


In dem hier beschriebenem Szenario reagieren Unternehmer nicht durch weniger Fahren (geht nicht), sondern:


  • sie verdienen weniger

  • versuchen intern zu sparen

  • und hoffen auf Preisanpassungen durch den Auftraggeber


Der entscheidende Punkt:


Bei vorgegebenen Routen wird Kraftstoffpreissteigerung 1:1 zum Unternehmerproblem – nicht zum operativen Problem.


 
 
 

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